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Warum alle in Last-Mile Unternehmen investieren

In den letzten Monaten mussten viele Unternehmen und Betriebe große Veränderungen mitmachen. Hintergrund ist der allgegenwärtige Corona Virus, welcher das tägliche Leben massiv verändert hat. Seitdem Regierungen Lockdowns und Ladenschließungen veranlasst haben, steht für viele Unternehmen und vor allem Retail fokussierten Betrieben, sehr viel auf dem Spiel. Besonders hart ist die Gastronomie getroffen, jedoch konnten Digitalisierung und kluge neue Konzepte einige neue Möglichkeiten aufzeigen.

 

Viele Gastronomiebetriebe mussten ihre eigenen Gaststätten schließen. Mit den ausbleibenden Gästen fiel der Umsatz somit schlagartig in den Keller. Viele boten rasch Speisen und Getränke zur Selbstabholung an, jedoch konnten Logistikanbieter der sogenannten Last Mile eine Alternative anbieten. Firmen wie uber eats, mjam, lieferando oder vergleichbare Essenslieferdienste, boten innerhalb kürzester Zeit ein größeres Angebot an. Diese Dienste sind völlig aus digitaler und kundenfokussierter Perspektive gedacht. Dadurch konnte die erhöhte Nachfrage beim Endkunden, durch den erhöhten Distributionswunsch bei den Produzenten rasch gedeckt werden.

 

1 Milliarde für einen Getränkelieferdienst

Auch Abseits der Coronakrise ist der Trend von Last Mile Unternehmen in den letzten Jahren deutlich wahrnehmbar. In den vergangenen Jahren gab es einen Kampf um die Kunden, insbesondere im Lebensmittel Sektor. Unternehmen wie Flaschenpost oder Gorillas kämpften um die Marktanteile bei der Lieferung von Lebensmitteln und Getränken. Dazu begab sich sehr rasch Dr. Oetker mit dem konzerninternen Anbieter Durstexpress. Nach mehreren Jahren ringen, entschied sich Dr. Oetker für die Akquisition von Flaschenpost. Um einzigartige 1 Milliarde Euro akquirierte der Konzern das kleine Start-Up. Der eigene Konkurrent zu Flaschenpost konnte zu wenig Traktion am Markt finden, wodurch der Kauf sehr interessant wurde.

 

Dr. Oetker kaufte jedoch nicht nur Marktanteile, sondern viel wichtiger, den Zugang zu den Kunden. Flaschenpost konnte in den letzten Jahren einen großen Kundenstamm aufbauen, welche regelmäßig die schweren Getränkekisten bis in den obersten Stock des Wohnhauses tragen ließen. Dazu kamen noch Kooperationen mit About You zustande. Bei der Lieferung von Getränken konnte man seine Retoure von About You Bestellungen den Lieferboten direkt mitgeben. Dadurch erspart sich der Kunde einen Weg. Das ist gerade in Zeiten von Corona ein großer Mehrwert, wo die Kontakte so gering wie möglich gehalten werden sollten. Weiters nahm sich das Start-Up Flaschenpost gleich von Anfang an die schwersten Aufgaben vor. Und das wortwörtlich. Wer schwere Getränkekisten in den fünften Stock tragen kann, kann auch andere (leichtere) Lieferungen in Zukunft rasch umsetzen.

 

Die Banane vom Lieblingshändlers

In Amerika konnte sich das Unternehmen instacart bereits am Markt etablieren. Die Firma holt Lebensmittel von bevorzugten Lebensmittelgeschäften ab und bringt sie innerhalb eines Zeitfensters nach Hause. So bekommt man auch Eigenmarken der Supermärkte, oder die einzigartig schmeckende Banane vom Gourmet Händler. Mittlerweile setzt instacart auf die eigene Logistik und man kann schon direkt Produkte bestellen. Dadurch wird der Mittelsmann herausgetrennt und die Margen für die Angebote sind höher. Diesen Ansatz verfolgt picnic in Europa ebenfalls. Der niederländische eCommerce Händler für Lebensmittel liefert in den Niederlanden und Teilen Deutschlands bereits in die Häuser und Wohnungen. Picnic geht dabei noch einen Schritt weiter. Die eigenen selbst entwickelten Autos sind extra schmal gebaut und können somit in zweiter Reihe stehen bleiben. Dadurch ist die Belieferung einfacher für die Boten. Ein weiteres besonders Merkmal ist die Lieferung nach dem Milchmann Prinzip. Man bestellt online und es gibt fixe Zeitfenster, an denen die Lieferanten in der eigenen Straße zur Lieferung sind. In diesem Zeitfenstern kann man sich dann beliefern lassen. Dadurch können besser Forecastings gemacht werden und die Effizienz steigt.

 

Amazon hat mit dem Kauf von Whole Foods, den wichtigen Schritt für die Deckung des Lebensmittelbedarfes bereits eingefädelt. Für Amazon ist die Strategie jedoch eine andere. Der Fokus ist nicht auf weitere Leistungen bei der Lieferung. Der weltweite eCommerce Gigant profitiert durch die regelmäßige Nutzung der Plattform. Wenn Kunden jede Woche ihre Lebensmittel online bestellen, haben diese auch jede Woche die Möglichkeit andere Sachen auf Amazon zu bestellen. Die Etablierung einer Gewohnheit ist hier der Fokus. Wenn man etwas nach Hause bestellen will, soll man an Amazon denken. Vor einigen Tagen hat auch instacart bekannt gegeben eine Kooperation mit best buy in Amerika zu etablieren. Dabei bietet instacart für das Sortiment von best buy same day delivery in den ganzen USA an und stellt sich klar als Konkurrent gegen Amazon auf.

 

Warum der ganze Hype

Die Idee klingt logisch. Die Umsetzung ist die große Herausforderung. Nachmachen funktioniert nicht so leicht. Dennoch können diese Last Mile Unternehmen einen riesigen Aufschwung in der Digitalisierung bringen.

  • Die Lieferung von Lebensmitteln, ohne diese vorher im Geschäft schön ausstellen zu müssen, bewirkt eine große Kostenreduktion. Es werden weniger Schauflächen und weniger Lieferwege benötigt.
  • Der Kunde hat einen größeren Mehrwert, da die Produkte nach Hause geliefert werden. Das ermöglicht eine starke Kundenbindung.
  • Alle Bestellungen werden über digitalen Weg abgewickelt. Eine App oder Website kann mit einem Benutzerprofil alle wichtigen Vorlieben speichern. Dadurch wird das Angebot angepasst, auf das was Kunden wirklich wollen. Hier sind kürzere Lebenszyklen von Produkten zu erwarten.
  • Die Mengen der zu bestellenden Produkte sind bei den Lieferanten vorhersehbarer. Durch die vorab Bestellung und Bezahlung, kann man sehr gute Vorhersagen aufstellen, welche Produkte gerade nachgefragt werden.
  • Bisher wurde nicht so schöne Ware schwer verkauft oder stark rabattiert. Dies ist bei der Bestellung über die Onlineportale jedoch einfach möglich. Wenn Kunden nur makellose, gerade Karotten und knallrote, runde Tomaten haben wolle, so kann man eine eigene Produktkategorie oder Preiskategorie dafür einführen.

 

Und dann?

Die nächsten Jahre werden zeigen welches Potenzial in den großen Ambitionen der Last Mile Firmen liegen. Einer der größten Hebel für das Thema werden selbstfahrende Autos und Drohnen sein. Sobald die Produkte ohne den Lieferboten auskommen, kann der letzte Weg zum Kunden vollkommen automatisiert werden. Das probiert Amazon bereits mit Drohnenflügen in Testgebieten. Die Lieferzeit verkürzt sich auf bis zu 30 Minuten.

Dennoch werden viele in den Supermarkt und Malls einkaufen gehen. Das Einkaufserlebnis und die genussvolle Auswahl, sowie Inspiration ist zu tief in den Menschen verankert. Die Retail-Stores werden verstärkt jedoch auf eine Experience beim Einkauf setzen müssen. Nur die günstigsten Preise zu haben, wird nicht mehr reichen.

 

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